Carl Schmitt

1. Das Politische als gesellschaftlicher Zusammenhalt

Für Carl Schmitt ist das Politische kein abgegrenztes Sachgebiet, sondern der höchste Intensitätsgrad einer Verbindung oder Trennung. Es entsteht durch die Unterscheidung von Freund und Feind. Schmitt lehnt die liberale Sichtweise radikal ab, wonach gesellschaftlicher Zusammenhalt durch freien Diskurs, Pluralismus, Verträge oder ökonomischen Interessenausgleich entsteht. Für den Liberalismus ist der Staat lediglich ein neutraler Rahmen zur friedlichen Aushandlung privater Interessen.

Nach Schmitt hingegen ist ein Feind notwendig, weil kollektive Identität und echtes Wir-Gefühl erst durch die gemeinsame Abgrenzung nach außen („das existentiell Andere“) entstehen. Erst die reale Möglichkeit des Konflikts zwingt eine Gemeinschaft zur inneren Homogenität und Solidarität. Zusammenhalt wächst nicht aus internem Konsens, sondern aus dem Bewusstsein einer gemeinsamen existentiellen Bedrohung sowie der souveränen Entscheidung im Ausnahmezustand.

 2. Die Familie und das Private

Im Denken Schmitts sind Liebe, Partnerschaft und Familie scharf vom Politischen abgegrenzt und gehören in die Sphäre des Privaten. Während das Politische durch harte Abgrenzung und die Möglichkeit des Kampfes charakterisiert ist, beruht der private Raum auf individueller Bindung, Vertrauen und Nächstenliebe. Die Familie begreift Schmitt – stark beeinflusst durch seinen katholischen Hintergrund – als traditionelle, vor-politische Ordnungseinheit.

Er kritisiert das liberale Denken dafür, die gesamte Gesellschaft in eine entpolitisierte Privatsphäre auflösen zu wollen. Für Schmitt ist das eine Illusion: Private Schutzräume wie die Familie können dauerhaft überhaupt nur existieren, wenn ein starker, dezisiver Staat nach innen und außen für politische Sicherheit, Ordnung und die Abwehr von Bedrohungen sorgt.

 3. Zitate und Quellenangaben

Die spezifisch politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung von Freund und Feind.

Quelle: Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen, Duncker & Humblot, Berlin 1932, S. 26.

Die viel zitierte Stelle „Liebet eure Feinde“ […] heißt: diligite inimicos vestros […] und nicht: diligite hostes vestros; vom politischen Feind ist nicht die Rede. [...] Den Feind im politischen Sinne braucht man nicht persönlich zu hassen, und erst in der Sphäre des Privaten hat es einen Sinn, seinen „Feind“ […] zu lieben.

Quelle: Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen, Duncker & Humblot, Berlin 1932, S. 29.

Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.

Quelle: Carl Schmitt: Politische Theologie. Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität, Duncker & Humblot, München/Leipzig 1922, S. 13.


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