Philosophie der Partnerschaft

Philosophie der Partnerschaft

Keine Angst, wir machen aus einem
Wochenende im Grünen keine staubige Uni-Vorlesung! Und natürlich auch keinen Laberclub... Es wird genug Zeit für einen freien Austausch geben.
Diese Seite ist nur eine Art Materialpool
für Interessenten. Ihr findet hier die verwendeten Texte, Youtube-Clips und Antworten auf Fragen, die erfahrungsgemäß immer kommen. 

Wozu Philosophie? Es gibt doch Wissenschaft!
Die Philosophie versucht Grundfragen zu beantworten, während die Wissenschaft konkrete Probleme und Bereiche bearbeitet. Das Thema Partnerschaft wird zwar von der Soziologie und anderen Sozialwissenschaften, der Psychologie und der Biologie bearbeitet, da aber die Grundfragen alles andere als geklärt sind, spielt die Sozialphilosophie immer noch eine sehr große Rolle. Und in diesen Bereich gehört auch die Philosophie der Partnerschaft.

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Philosophie der Liebe gibt es hier als Clip.
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Philosophie der Partnerschaft


Es folgt eine Einführung in die Philosophie der Partnerschaft. Du kannst sie dir hier als Clip ansehen bzw. anhören und hier lesen:

Der Begriff Partner ist sehr weit. Er umfasst Lebenspartner, Intimpartner, Geschäftspartner, Hobbypartner, Spielpartner, Gefährten und Kollegen. Auf Latein könnte man ihn mit socius übersetzen, woher unser Wort sozial stammt. Besonders Soziologie und Sozialwissenschaften untersuchen das Thema Partnerschaft. Da aber Vieles noch unklar ist, hat auch die Sozialphilosophie noch ein Wörtchen mitzureden.

Aristoteles: Die Tugendfreundschaft als Urzelle des Staates
Für Aristoteles ist der Mensch ein zoon politikon, ein von Natur aus auf Gemeinschaft angelegtes Wesen. In seiner Ethik entwirft er das Konzept der Philia (Freundschaft/Liebe). Während Freundschaften aus Nutzen oder Lust instabil sind, ist die charakterliche Tugendfreundschaft dauerhaft: Man liebt den anderen um seiner selbst willen und will sein Bestes. Das gilt für Männerfreundschaft und die Ehe! Für Aristoteles ist diese Form der Liebe das eigentliche Bindeglied der Gesellschaft. 

Ibn Khaldun: Familie als Keimzelle des Zusammenhalts
Für Ibn Khaldun entsteht diese elementare Bindungskraft, die Imperien aufsteigen und fallen lässt, primär im engen Kreis der Blutsverwandtschaft und der engsten Lebenspartnerschaften. Die gegenseitige Schutz- und Hilfsgemeinschaft der Partnerschaft ist der kulturelle Kern, aus dem sich größere soziale Netzwerke überhaupt erst bilden können. Wenn das familiäre und partnerschaftliche Band erodiert, schwindet der Zusammenhalt – und damit die Überlebensfähigkeit der gesamten Gesellschaft.

Karl Marx: entfremdete Intimität
Marx beschrieb eindringlich, wie der Kapitalismus alle menschlichen Beziehungen in bloße Tauschwerte verwandelt. Unter den Bedingungen der Entfremdung wird auch die Ehe und Partnerschaft oft auf ein ökonomisches Vertragsverhältnis reduziert – eine „Eigentumsgemeinschaft“, in der der Partner zum Konsumgut oder Statussymbol mutiert. Wenn der Mensch in seiner Arbeit entfremdet ist, sucht er im Privaten verzweifelt nach einer Oase der Menschlichkeit. Doch Marx zeigt, dass das Private nicht unberührt bleibt: Die Logik der Verwertung dringt tief in die intimsten Poren unserer Beziehungen ein.

Martin Buber: Ich und Du
Buber unterscheidet in seiner Dialogphilosophie zwischen zwei Weisen der Welterfahrung: der Ich-Es-Beziehung und der Ich-Du-Beziehung.  Die Ich-Es-Beziehung ist sachlich, distanziert und funktional. Der andere ist ein Objekt, das ich analysiere, nutze oder beschreibe. Die Ich-Du-Beziehung hingegen ist eine echte Begegnung. Im „Du“ erfahre ich den anderen in seiner ganzen, unverfügbaren Einzigartigkeit. Partnerschaft im buberschen Sinne ist das Wagnis, sich bedingungslos auf das „Du“ einzulassen. Nur im echten Dialog konstituiert sich das menschliche Selbst.

Max Weber: Rationalisierung und Entzauberung
Weber analysierte die Kulturentwicklung als fortschreitende „Entzauberung der Welt“ durch Zweckrationalität und Bürokratisierung. Wo früher Traditionen, Religion oder unhinterfragte Affekte Beziehungen leiteten, regiert in der Moderne das Kalkül. Weber sah in der erotischen Liebe jedoch auch ein fast sakrales Gegengewicht: Sie ist für ihn eine der letzten Bastionen des Irrationalen, eine Fluchtlinie aus dem „stählernen Gehäuse“ der durchrationalisierten Moderne. Doch diese Bastion steht unter Dauerbeschuss.

Die Spieltheorie: Vertrauen als Nash-Gleichgewicht
Aus Sicht der modernen Spieltheorie gleicht das Gelingen einer Partnerschaft als einem fortlaufendes Gefangenendilemma. Für beide Partner gäbe es die Versuchung egoistisch zu handeln, den anderen zu verraten oder zu kooperieren und die Treue zu wahren. Beziehungen sind spieltheoretisch nur dann stabil, wenn die Interaktion auf unbestimmte Zeit angelegt ist. Das Vertrauen in einer Partnerschaft ist somit kein rein romantisches Gefühl, sondern ein hochkomplexes, dynamisches Gleichgewicht. Es zeigt sich: Echte Kooperation stabilisiert sich nur durch die Erwartung einer gemeinsamen Zukunft.

Beziehungen als Prozess des Aushandelns - Notburga Ott
Partnerschaft ist nach Ott ein Prozess, in dem Partner Periode für Periode neu über die Zeitverwendung, Rollen und Pflichten verhandeln. Eine Partnerschaft hält an, solange sie einen Nutzen im Verhältnis zum Dasein ohne sie garantiert.

Eva Illouz: Der Konsum der Gefühle
Die zeitgenössische Soziologin geht davon aus, der Kapitalismus mit unsere Intimität mit rationalem Nutzenkalkül vergiftet. Durch Dating-Apps und Konsumkultur ist ein „partnerschaftlicher Marktplatz“ entstanden. Der andere wird mit den Kriterien der Effizienz, des Nutzens und der ständigen Optimierung evaluiert. Wir konsumieren Beziehungen, vergleichen Optionen und maximieren unseren emotionalen Gewinn. Sieht die bedingungslose Hingabe als Ausweg aus der rationalen Verwertungslogik des Kapitalismus.

Verantwortung für das Antlitz - Emmanuel Levinas
Für Levinas beginnt Ethik im Moment, wenn ich dem Antlitz des Anderen gegenüberstehe. Dieses Antlitz ist verletzlich und stellt einen unendlichen Anspruch an mich. Liebe ist bei Levinas kein symmetrischer Tauschhandel oder Vertrag. Sie ist eine asymmetrische, absolute Verantwortung für den Partner. In einer gelingenden Partnerschaft gibt man die Souveränität ein Stück weit auf, um für den anderen da zu sein. Diese ethische Radikalität soll die Verwertungslogik des Kapitalismus von innen heraus aufbrechen.

Axel Honneth: Liebe als Basis der Demokratie
Laut Honneths Theorie der Anerkennung ist ein stabiles, demokratisches Gemeinwesen darauf angewiesen, dass sich seine Bürger als gleichwertig anerkennen. Diese Fähigkeit gliedert sich in drei Sphären: Liebe, Recht und Wertschätzung der Leistung. Für Honneth ist die Sphäre der Liebe das psychologische und moralische Fundament von allem. Wer keine emotionale Sicherheit erfährt, kann kaum das gesunde Selbstvertrauen entwickeln, das nötig ist, um als selbstbewusster und solidarischer Akteur in der Demokratie mitzuwirken. Unsere Gesellschaft leidet an Verwilderung, da viele Bürger in allen drei Bereichen von Anerkennung ausgeschlossen sind.

„Unvernehmen“ als Quelle von Partnerschaft - Rancière
Statt einvernehmlicher Harmonie und Konsens sieht Rancière das „Unvernehmen“ als Basis einer lebendigen Beziehung. Das Unvernehmen ist „Uneinigkeit und Streit über das Gemeinsame“ und als solche ein Lebenszeichen, das für eine gesunde Beziehung und Entwicklung steht. Das Unvernehmen erschüttert die Selbstverständlichkeiten und klaren Rollenzuweisungen. Eine lebendige Beziehung ist ein andauernder Prozess, bei dem es immer wieder darum geht, festgefahrene und akzeptierte Rollen zu durchbrechen und die eigene Freiheit immer wieder neu zu beweisen. Das gilt für die Liebe ebenso wie für die Gesellschaft. Konsens heißt Stillstand.

Roger Scruton - Familie als heilige Heimat
Die Familie ist der Kern für das Gefühl, Heimat und Zuhause zu haben. Der Mensch ist ein Bindungswesen und braucht zu seiner Absicherung Institutionen und Rituale. In der Ehe lernen Menschen die Selbstaufopferung für die Gemeinschaft. Wenn die klassische Familie zerfällt, entsteht ein Vakuum, das zu sozialer Instabilität, Einsamkeit, Egoismus und psychischen Krisen führt. 


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